2017
kunst galerie fürth

15. Januar bis 26. Februar in Fürth

 

Dass die Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend selbstreflexiv geworden ist, dürfte weitgehend bekannt sein. Aber das, was Monika Bartholomé mit ihrem Museum für Zeichnung anstiftet, ist ziemlich einzigartig und originell.

Sie ist eine wunderbare Zeichnerin ‚der Andeutung‘, aber dass sie ihre Arbeiten integriert in das von ihr aufgebaute und ständig erweiterte Museum für Zeichnung, ist der Grund dafür, sie im Rahmen der „Biennale der Zeichnung“ in der Metropolregion vorzustellen. Das Museum ist keines und irgendwie − doch. Ein Museum ohne festes Haus und ohne Originale ist keines. Aber ein Museum ist ein Ort der Begegnung mit Wissenschaft (Kultur- oder Kunstwissenschaft), ein Ort, an dem die Besucher lustvoll verweilen, um sich selbst aufzuklären. Ein Museum sollte eine Bibliothek haben, vielleicht sogar eine Präsenzbibliothek. Es sollte einen eigenständigen Charakter haben, man will dort nichts finden, auf das man ohnehin überall trifft. Im Museum lebt bis heute die ursprüngliche Idee der Wunderkammer weiter.

Monika Bartholomé schreibt: „Entdecken, verweilen, neue und eigene Bezüge herstellen, dazu möchte das Museum für Zeichnung mit seinem Sammlungsbestand an Abbildungen von Zeichnungen über alle Fachgebiete hinaus, einladen.“

Ein Museum heute braucht auch Sonderausstellungen. Jeder Auftritt des Museums für Zeichnung ist neu. Museumsstifterin und -chefin Monika Bartholomé beschäftigt sich dieses Mal mit dem Ornament und seiner Geschichte. Das Ornament ist untrennbar mit der Zeichnung verbunden. Aber vor allem ist es Ausfluss einer anthropologischen Konstante, eines menschlichen Bedürfnisses. Das Ornament wurde gefeiert und verteufelt. Die Selbstreflexion nimmt Monika Bartholomé nicht in ihre Arbeiten hinein, sondern legt sie sozusagen in der Umgebung ab, in Fundstücken, Dokumenten, Gedankenschnipseln.

Das Museum für Zeichnung hatte seinen ersten Auftritt 2015 im Kölner Museum Kolumba (Ausstellungsjahr 2015: Der rote Faden. Ordnungen des Erzählens). 2016 folgte ein Auftritt in der Kunstbibliothek des Sitterwerkes in St. Gallen/CH im Rahmen der Ausstellung „Das Denken unterbrechen“. Der Auftritt in Fürth 2017 ist folglich erst die dritte Präsentation der Kölner Künstlerin mit und innerhalb ihrer konzeptuellen, semimusealen Bibliothek.

Pressetext von Hans-Peter Miksch